Wer will, der kann – Talent versus Willensstärke

Warum ein motiviertes Mittelmaß oft besser performt als ein Supertalent

Worauf achten Sie bei Ihrer Personalauswahl? Eher auf Talent oder eher auf den unbedingten Leistungswillen? Auf den ersten Blick drängt sich die Antwort auf: Auf das Talent natürlich! Doch sehen wir noch mal genauer hin.

Beide Ansätze sind interessant und haben durchaus eine Berechtigung.

Und eines sollte man als Führungskraft immer im Auge behalten: Ein Mensch besteht nicht nur aus seinen Talenten und Fähigkeiten. Unser aller Leben wird von Erziehung, Vorbildern und Einflüssen geprägt, von Werten und Glaubenssätzen. Wenn zum Beispiel beide

Elternteile eines Menschen ihr Leben lang hart gearbeitet haben, liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, dass auch ihr Kind die Überzeugung verinnerlicht hat, dass

harte Arbeit der einzige – oder zumindest beste – Weg zum dauerhaften Erfolg ist. Das Kind wird also leistungsorientiert sein und den Willen mitbringen, sich seinen Weg zu erarbeiten. Mit diesem Fleiß lässt sich mangelndes Talent durchaus wettmachen!

Der Top-Performer

Es hat einen guten Grund, warum „Talent“ im Alphabet nach „Anstrengung“, „Fleiß“ und „Motivation“ kommt.
Wenn jemand sowohl über Talent als auch über Willensstärke verfügt – bestens! Doch oft sind Top-Talente, die auch noch ehrgeizig sind, schwer zu finden. Neben einer hohen Einsatzbereitschaft und einer gefestigten Psyche sollten sie auch über hohe Konzentrationsfähigkeit verfügen, damit das Talent im Arbeitsalltag nicht zu schnell verpufft. Wenn Sie einen Player finden, der alle diese Voraussetzungen mitbringt, dann haben sie den Jackpot geknackt. Halten Sie ihn fest – seien Sie sich aber dessen bewusst, dass unter Umständen auch andere begehrlich auf Ihren Superstar linsen. Und wenn Sie nicht aufpassen, ist er eventuell schneller abgeworben als Sie „Leistungskurve“ sagen können. Bleibt er an Ihrer Seite und in Ihrem Team, haben Sie sich jedoch mit einem Glücksgriff viel Aufbauarbeit erspart.

Neben der Gefahr des Abwerbens besteht ein anderes Risiko darin, dass sich ein talentierter Spieler oft ab einem gewissen Punkt auf seinen Lorbeeren ausruht. Ihn dann wieder zu motivieren kann oft schwer sein – zumal dann, wenn seine Leistungen trotz Nachlassens immer noch über dem Durchschnitt der Abteilung liegen.

Der motivierte Durchschnittsspieler

Wenn Sie auf der anderen Seite in Ihrem Team einen Mitarbeiter mit dem absoluten Willen zum Durchbeißen und zur harten Arbeit haben, dann sollten Sie ihn nach Möglichkeit fördern. Genie, so sagt man, besteht aus 1% Talent und 99% harter Arbeit. Ein Mitarbeiter, der sich mit Ehrgeiz und eisernem Willen nach oben arbeitet, ist normalerweise länger und stärker motiviert als das Super-Talent. Auch deswegen, weil er trotz allem noch leichter Schritte nach vorne macht und dadurch messbare Erfolge verzeichnet. Dieser Wille zum Durchbeißen wird einem Menschen meist nicht in die Wiege gelegt, aber wie schon erwähnt sehr oft von seinem Elternhaus und seinem Umfeld übernommen.

Das Gesetz des Wettbewerbs

Im Sport gilt das ungeschriebene Gesetz: Wenn es ein Top-Sportler zu locker angehen lässt, gibt es immer einen anderen, der nur darauf wartet, seinen Platz einzunehmen. Diese Teamdynamik spielt eine wichtige Rolle. Denn wir wissen: Motivation ist ein zartes Pflänzchen und gute Vorbilder sowie eine gesunde Konkurrenz innerhalb des Teams – egal, ob es eine Mannschaft oder ein Mitarbeiterteam ist – helfen durchaus, den Leistungstrieb aufrechtzuerhalten. Bei dem Einen oder Anderen kann eine solche Wettbewerbssituation sogar dazu beitragen, dass sich die Performance steigert. So gesehen, kann der Ehrgeiz eines Einzelnen das gesamte Team beflügeln.

Was aber nun – Talent oder Fleiß?

Wofür – oder für wen – Sie sich letztendlich entscheiden, hängt sicher von vielen Faktoren ab, unter anderem vom Angebot auf dem Arbeitsmarkt in Ihrer speziellen Branche. Und sicherlich auch von der Branche an sich.

So gesehen kann die Antwort auf die Eingangsfrage nur von Ihnen als Führungskraft beantwortet werden, abhängig von Ihrer Erfahrung, Ihrem Einschätzungsvermögen und Ihrem Bedarf.

Wie entscheiden Sie sich? Oder wie haben Sie sich entschieden? Ich freue mich über Ihre Kommentare!

Ihr Andreas Klement

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