Transformationale Führung – Was Führungskräfte von Fußballtrainern lernen müssen

(#lmsak) Die Trainer im Fußball führen in ihren Kadern oft mehr als 25 Spieler unterschiedlichster Kulturen und Sprache. Sie tragen die Verantwortung für Erfolge und sind kurz vor dem Rausschmiss, wenn es schlecht läuft. Sie werden von Fans, Präsidium und Presse hochgejubelt und bei Misserfolg schnell in Grund und Boden gestampft; schnell ist zu hören, der Trainer erreiche die Mannschaft nicht. In solchen Situationen ist der Druck auf sie enorm.

Vor 16 Jahren stand Willi Reimann mit einem Co-Trainer an der Seitenlinie der Eintracht Frankfurt. Sein Kader umfasste 25 Profispieler. In der heutigen Zeit ist nicht nur der Spielerkader auf 36 angewachsen, sondern viel mehr auch der Betreuerstab. Aus den zwei Trainern, von vor 16 Jahren, ist heute ein Stab von 23 Betreuern geworden. Fußballtrainer sind Führungskräfte in Reinkultur. Wer führen will, muss wissen, wie er bei seinen Mitarbeitern positive Emotionen entfacht. Begeisterung, Schaffensfreude und Leidenschaft sind der emotionale Treibstoff, der Menschen zu Lust auf Leistung und deren Steigerung animiert. Druck, Angst und Kontrolle wirken auf Mitarbeiter demotivierend und bewirken häufig nur eine abwehrende Haltung. Echte Motivation findet nur statt, wenn jemand Freude empfinden kann in seiner Tätigkeit.

Echte wahre Künstler, wenn es darum geht, diese Emotionen in den Köpfen ihrer Spieler entstehen zu lassen sind Josep „Pep“ Guardiola, José Mourinho und Jürgen Klopp. Die drei Genannten praktizieren den sogenannten transformationalen Führungsstil. Diese Art der Mitarbeiterführung verändert deren Einstellung und Werte und hebt sie dauerhaft auf ein höheres Leistungslevel. Studien belegen, dass transformationale Führung eine höhere Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter auslöst, was nachweislich auch bessere wirtschaftliche Ergebnisse, Umsatz und Rendite bringt.

Fundament der transformationalen Führung

Transformationale Führung geht grundsätzlich davon aus, dass Menschen bestimmte emotionale Grundbedürfnisse haben, allen voran nach Vertrauen, Verantwortung und Weiterentwicklung. Jede Führungskraft kann sich das Fundament aneignen, hierfür braucht es vier unterschiedliche Faktoren.

  1. Einfluss
  2. Inspiration und Sinnvermittlung
  3. Stimulierung der Kreativität und Schaffung einer Fehlerkultur
  4. Individuelle Behandlung

Wer diese gezielt fördert, dem danken es die Mitarbeiter mit besonderem Engagement und Leistungsbereitschaft.

Sir Alex Ferguson; ehemaliger Trainer von Manchester United, hat einmal wegen einer Spielersichtung einige Trainingseinheiten verpasst. Als er wieder da war, kam Rio Ferdinand (Spieler) zu ihm und hat gesagt: „Wo waren Sie den? Wenn Sie nicht da sind, dann ist es nicht dasselbe!“

VERTRAUEN muss man sich als Führungskraft hart erarbeiten. Wie schön wäre es, wenn Mitarbeiter zu ihren Führungskräften, mit so einem Satz, kommen.

Erstens: Einfluss auf die Mannschaft.

Selbst Nicht-Fußballfans dürfte nicht entgangen sein, dass Klopp, Guardiola und Mourinho eine ganz besondere Ausstrahlung besitzen und klar vorleben, was sie von anderen erwarten. Sie werden von ihren Spielern als Vorbilder akzeptiert und genießen höchsten Respekt. Diese Vorbildfunktion erzeugt ein tiefes Vertrauensverhältnis und gleichzeitig ist sie der Nährboden für eine hohe Identifikationsmöglichkeit mit dem Trainer. Dass die Identifikation mit ihrem Trainer für die Leistungsentwicklung der Spieler einen entscheidenden Erfolgsfaktor darstellt, belegen Aussagen von Didier Drogba und Zlatan Ibrahimovic über ihren ehemaligen Trainer José Mourinho, unter dessen Führung sie zu absoluten Stars aufgestiegen sind. Mourinho versteht seine Spieler. Drogba: „Ich war bereit, mir für ihn die Beine zu brechen.“ Und Zlatan Ibrahimovic meinte rückblickend: „Für Mourinho wäre ich gestorben, er ist herausragend.“

Zweitens: Inspiration und Sinnvermittlung.

Gute Führungskräfte folgen einer klaren Vision und schaffen es, die Mitarbeiter für diese zu begeistern. Sie lösen Inspiration und Optimismus aus, geben ihren Mitarbeitern herausfordernde Ziele, erklären den tieferen Sinn und machen jedem einzelnen klar, wie wichtig sein Beitrag für den Gesamterfolg ist. Das ist eines der Erfolgsrezepte des Manchester City-Coachs Pep Guardiola. Seine Spieler berichten, dass sich der Coach immer wieder viel Zeit nimmt, jedem einzelnen das Warum hinter seinen Anweisungen und Erwartungen zu erklären. Der spanische Ausnahmespieler von FC Barcelona, Andrés Iniesta, wurde einmal gefragt, aus welchem Grund seiner Meinung nach Josep „Pep“ Guardiola so ein überragender Trainer ist. Als Star-Spieler antwortet Andrés Iniesta, dass Guardiola es versteht, jeden Tag den Spielern den Sinn zu vermitteln, warum sie den Ball treten.

Die größte Aufgabe der Führungskraft ist es, jeden Tag den Sinn zu vermitteln, worum es eigentlich geht.

Drittens: Stimulierung der Kreativität und Schaffung einer Fehlerkultur.

Gute Führungskräfte regen die kreativen und geistigen Potentiale ihre Leute an. Sie wollen, dass ihre Mitarbeiter eigenständig denken. Sie ermuntern dazu, den Status Quo zu hinterfragen, Denkmuster infrage zu stellen und neue Lösungswege zu finden. Die Ermutigung, selbst zu denken, Verantwortung zu übernehmen und eigene Ideen einzubringen fördert nicht nur die persönliche Entwicklung, sondern ist gleichzeitig ein Beweis für das Vertrauen, das die Führungsperson ihren Mitarbeitern entgegenbringt. Im Fußball wird nahezu jeder Fehler gnadenlos bestraft und oft entscheiden diese über Sieg und Niederlage. Dennoch müssen Fehler passieren, damit eine Optimierung stattfinden kann. In Unternehmen ohne Fehlerkultur ist Innovation nicht möglich.

Viertens: Individuelle Behandlung.

Jeder Mensch ist anders. Gute Führungskräfte betrachten ihre Mitarbeiter nicht als homogene Gruppe, sondern wissen um die Individualität der Einzelnen. Sie kennen ihre Mitarbeiter und gehen auf ihre individuellen Bedürfnisse ein. Sie zeigen glaubhaft Interesse an jedem einzelnen und fördern bewusst die individuellen Fähigkeiten. Das wird von den Mitarbeitern als Zeichen der Wertschätzung interpretiert und erklärt, wieso sie sich für ihren Chef und somit für das Unternehmen engagieren. Jürgen Klopp z. B. sagt, dass man den Anderen zunächst einmal verstehen müsse, um dann individuell auf ihn eingehen zu können. Klopp wörtlich: „Je mehr man sich um den einzelnen kümmert, desto mehr bekommt man zurück.“ So hat Jürgen Klopp zu seiner Zeit als Trainer von Borussia Dortmund das Testverfahren der Reiss Profile angewendet. Es ging ihm nicht nach gut und schlecht zu unterscheiden, sondern herauszufinden welche Lebensmotive die Persönlichkeit seiner Spieler beeinflussen.

Transformationale Führung ist mehr

Transformationale Führung ist demnach weit mehr als einer von mehreren Führungsstilen. Primäres Ziel ist es, die Entwicklung der Mitarbeiter und ihre Eigenverantwortung systematisch zu fördern.

Fest steht, dass wir Menschen gefordert werden wollen, tief in uns steckt der Drang nach Verbesserung und Weiterentwicklung. Wenn wir in unserer Arbeit spüren, dass wir Fortschritte machen und besser werden, dann entwickelt sich Wirksamkeit. Eine gute Führungskraft ist Coach, Beichtvater und Mentor zugleich. Wer seinen eigenen Führungsstil einmal mit den herausragenden Trainern des Profifußballs vergleicht, macht eine verblüffende Feststellung. Erfolgreiche Führung funktioniert wie Coaching: Eine gute Führungskraft ist Mentor und Vertrauensperson zugleich. Herausragende Chefs prägen die Persönlichkeit ihrer Mitarbeiter. Sie wissen, dass diese Art der Führung vor allem eines benötigt, der leider viel zu knapp geworden ist: Zeit. Investieren müssen wir in die Zeit mit unseren Mitarbeitern und nicht in unzählige Meetings, dann zahlt sich die Investition mehrfach aus.

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